«Wir sitzen eben alle im selben Boot»
Eine Reeling, zwei Seemannschöre aus dem Norden und viele andere Seebuben: Die Shanty Men Stäfa feierten ihr 20-JahrJubiläum in Erlenbach.
Von Simona Triet
Erlenbach/Stäfa. - Die Farben Blau und Weiss haben das Bild beherrscht, das sich am vergangenen Samstagabend auf der Terrasse des Erlibacherhofs. Männer in typisch seemännisch gestreiften Hemden und Kapitänsmützen sowie Frauen, die sich symbolisch in den Farben des Meeres gekleidet hatten, waren zu sehen.
Bereits zwei Stunden vor dem Konzertbeginn der Shanty-Chöre trafen sich etliche Seemänner, aber auch sonstige Anhänger der Lieder, die auf hoher See gesungen werden, und genossen die laue Abendsonne bei einem Glas Weisswein oder einem Bier.
Der Anlass für das Konzert war das 20-jährige Bestehen des Chors Shanty Men Stäfa. Begonnen hat dessen Geschichte am 18. März 1989, als einige Sänger des Männerchors Stäfa erstmals als Shanty-Chor vor Publikum auftraten. Seither ist der Bekanntheitsgrad der Seemannsliedersänger stetig gestiegen, und sie konnten etliche Musikfreunde von ihrem doch eher unbekannten Gesang überzeugen. Zu ihrem Jubiläum hatten die Sänger vier Gastchöre aus Deutschland und der Schweiz eingeladen.
Familiäre Stimmung gefällt
Langjährige Shanty-Anhänger sind Mike Weltherr und Pätz Häusli aus Meilen. Ersterer kommt aus Hamburg, das wegen seiner ans Meer grenzenden Lage für Seemannslieder bekannt ist, und wuchs mit Shanty-Liedern auf. Pätz Häusli ist nach eigenen Angaben ein richtiger Seebub und hat schon immer eine enge Beziehung zum Wasser gehabt. Da ist es nur verständlich, dass ihm auch die nautischen Klänge gefallen. «Das Schöne an einem Shanty-Konzert ist vor allem die Stimmung, die sehr familiär und vertraut ist», sind sich die beiden einig. Häusli beschreibt die Atmosphäre treffend mit den Worten: «Wir sitzen eben alle im selben Boot.»
Ein junger Fan ist die 12-jährige Antoinette Goujon aus Männedorf, die das erste Mal an einem solchen Anlass dabei ist. Sie erwarte einen lustigen Abend mit Marinemusik, die einen Hintergrund habe und Geschichten erzähle, sagt Antoinette, deren Grossvater bei den Shanty Men Stäfa mitsingt.
Durch originelle Tischdekorationen und die angedeuteten Reeling am Bühnenrand wird dem Publikum das Gefühl vermittelt, sich mit den singenden Seemännern auf hoher See zu befinden.
Ruth Bühler aus Herrliberg, die bereits früher einmal an einem Konzert der Shanty Men gewesen ist, freut sich auf einen musikalisch interessanten Abend. «Ich bin ohne Erwartungen gekommen, bin mir aber trotzdem sicher, dass es ein voller Erfolg wird», sagt sie voller Zuversicht.
Singen mit Freunden
Vor einem voll besetzten Saal mit anspruchsvollen Fans eröffnen die Shanty Men Stäfa ihr Jubiläumskonzert mit dem Wecklied «Strikes a Bell».
«Heute segeln wir nicht alleine», begrüsst der wortgewandte Hans Schröder, der durchs Programm führt, die Gastchöre. Es folgen einige fremdsprachige und deutsche Seemannslieder, die allesamt das Publikum mitzureissen vermögen. Im zweiten Chor, der Thetis Crew aus Rapperswil-Jona,singt der Solist Günther Erich Reimann, der durch Freunde zu den Shantys gekommen ist. «Ich habe schon immer gerne gesungen, aber noch mehr Freude macht es, wenn man seiner Leidenschaft in einer Gruppe guter Freunde nachgehen kann.»
Lieder als Motivation
Die Nostalgie, das Erinnern an Seefahrten und der fast reale Geruch von salzigem Meerwasser sind das, was Christina Pfenninger aus Stäfa an den Shantys so gefällt. Ihr Mann, der Obermaat der Shanty Men Stäfa, sei selbst Seemann, und auch sie sei schon zur See gefahren.
Nachdem die beiden deutschen Chöre aufgetreten sind, runden die Seemannschöre den Abend mit zwei gemeinsamen Liedern ab, die einmal mehr zeigen, welche Bedeutung diese Lieder für die Matrosen gehabt haben müssen. Einerseits dienten sie als Motivation bei der Arbeit, andererseits als Überbrückung der Einsamkeit, die auf dem weiten Meer herrscht. Eine gewaltige Stimmung erfüllt den Saal, als die 140 Sänger und Musikanten zum Finale zusammen ein Arbeitslied singen.
Bis tief in den Abend hinein feiern die Seemänner und das Publikum, dessen Erwartungen mehr als übertroffen worden sind.
Tages-Anzeiger rechtes Ufer, Montag, 22. Juni 2009, Seite 52 "Die Letzte" - Bilder: Gesa Lüchinger und Simona Triet


